Tet und chinesisches Neujahr: verwandt, nicht identisch
Zwei Neujahrsfeste in einer verwandten Tradition
Tet, vollständig Tết Nguyên Đán, ist das vietnamesische Neujahr. Das chinesische Neujahr, auch Frühlingsfest genannt, eröffnet das traditionelle chinesische Jahr. Beide bringen Angehörige nach Hause, ehren frühere Generationen und markieren durch besondere Mahlzeiten, Grüße und Geschenke einen Neubeginn. Ihre Ähnlichkeit zeigt sich besonders im Familienheim: Die Vorbereitungen räumen das alte Jahr fort, und die ersten Zusammenkünfte drücken Hoffnungen für das nächste aus.
Vietnams Kalender entwickelte sich in einer langen Geschichte des Kontakts mit chinesischen Kalendertraditionen, einschließlich Zeiten gemeinsamer Kalenderverwendung und unabhängiger vietnamesischer Berechnung. Dieser gemeinsame Hintergrund hilft, die Ähnlichkeit der Feste zu erklären. Vietnamesische Haushalte gaben dem Jahreswechsel ihre eigenen Speisen, Blumendekorationen und Besuchsbräuche, die für Tets Identität zentral bleiben.
Wann die Feste beginnen
Jedes Fest beginnt am ersten Tag des ersten Monats seines eigenen Lunisolarkalenders. Diese Kalender richten ihre Monate nach dem Mond und halten das Jahr durch Schaltmonate mit den Jahreszeiten im Einklang. Tet und das chinesische Neujahr fallen gewöhnlich auf dasselbe gregorianische Datum, müssen dies aber nicht.
Der moderne vietnamesische und der chinesische Kalender verwenden Bezugszeiten, die eine Stunde auseinanderliegen. Nahe einer Datumsgrenze kann dieser Unterschied den einem Neumond zugewiesenen Tag verändern oder die Monatsnummerierung beeinflussen. Tet folgt daher dem vietnamesischen Kalender; ein Datum des chinesischen Neujahrs bestimmt für sich allein nicht das vietnamesische Datum.
Wiedersehen und ein Platz für die Ahnen
Zu den Tet-Vorbereitungen gehören das Reinigen des Hauses, der Blumenkauf und das Zubereiten von Speisen vor dem Eintreffen des neuen Jahres. In Haushalten mit einem Ahnenaltar wird dieser gereinigt und mit Räucherwerk, Blumen, Obst und anderen Opfergaben versehen. Eine Zusammenstellung von fünf Früchten ist verbreitet, wobei die ausgewählten Früchte variieren. Das Gedenken an die Toten gibt beim Wiedersehen Großeltern und früheren Generationen ebenso einen Platz wie Angehörigen, die persönlich zusammenkommen können.
Auch das chinesische Neujahr umfasst vorheriges Putzen und die Vorbereitung des Familienheims. Das gemeinsame Essen am Neujahrsvorabend ist ein zentraler Treffpunkt: Noch bevor das alte Jahr endet, setzen sich Angehörige zu einer reichhaltigen Mahlzeit zusammen. Familien, die Ahnenbräuche pflegen, können Speisen und Räucherwerk an einem Altar oder vor Ahnentafeln darbringen. Diese Gaben drücken Dankbarkeit und fortbestehende Familienbindungen aus. Das Wachbleiben bis ins neue Jahr, shousui genannt, verlängert den gemeinsamen Abend.
Was die Festspeisen ausdrücken
Zu den bekanntesten Tet-Speisen gehören bánh chưng, ein quadratischer Reiskuchen, und bánh tét, ein zylindrischer. Vertraute herzhafte Varianten umschließen Mungbohnen und Schweinefleisch mit Klebreis, werden in Blätter gewickelt und stundenlang gegart. Bánh chưng wird besonders mit Nordvietnam verbunden, während bánh tét bei Feiern in Zentral- und Südvietnam hervorsticht. Die Kuchen können den Ahnen geopfert, bei Mahlzeiten geteilt und an Verwandte verschenkt werden. Gemeinsames Einwickeln und Garen gehört selbst zur Festvorbereitung.
Andere Gerichte geben der Mahlzeit ihren familiären und regionalen Charakter. Geschmortes Schweinefleisch mit Eiern ist ein vertrautes südliches Tet-Gericht. Kandierte Früchte und andere Süßigkeiten werden Besuchern mit Tee angeboten, sodass die Gastfreundschaft zwischen den größeren Familienessen weitergeht.
Auch chinesische Neujahrsspeisen verwandeln eine Mahlzeit in eine Reihe von Wünschen. In Nordchina bereiten Familien häufig jiaozi zu, gefüllte Teigtaschen, deren Form an alte Metallbarren erinnert und Wohlstand nahelegt. Fisch wird mit Wünschen für Überfluss serviert, weil das chinesische Wort für Fisch wie das Wort für Überschuss klingt. Nian gao, der Neujahrsreiskuchen, trägt durch den Klang seines Namens einen Wunsch nach Jahr für Jahr zunehmendem Aufstieg. Die Zubereitungen reichen von süßen Kuchen bis zu herzhaften Gerichten. Das genaue Festmenü wird von Region und Haushalt geprägt.
Blumen, Grüße und Glücksgeld
Tet-Dekorationen bringen Pflanzen ins Haus. Rosa Pfirsichblüten werden besonders mit den nördlichen Feiern verbunden, gelbe Ochna-Blüten mit dem Süden und fruchtbeladene Kumquatbäumchen mit Wohnungen und Geschäften. Kalligrafie und Festbilder ergänzen Blumen und Früchte um geschriebene Wünsche.
Beim chinesischen Neujahr stehen rote Papierdekorationen besonders im Vordergrund. Paarige Türinschriften drücken Wünsche für den Haushalt aus, während das Schriftzeichen fu (福) für Glück an Türen und Wänden erscheint. Rote Laternen und anderer Schmuck machen die Erneuerung über den Esstisch hinaus sichtbar. Auch frische Blumen und Obst gehören zu vielen chinesischen Feiern; ihre Auswahl wird von örtlichen Bräuchen geprägt.
Bei Tet-Besuchen wünschen jüngere Angehörige den Älteren Gesundheit und ein langes Leben. Glücksgeld, lì xì genannt, begleitet die Grüße, besonders zwischen Erwachsenen und Kindern. Bei chinesischen Neujahrsbesuchen bedeutet bainian, Neujahrsgrüße zu überbringen; Kinder erhalten gewöhnlich Geld in roten Umschlägen, häufig hongbao genannt. Neben Gesprächen, Speisen und mitgebrachten Geschenken ist das Geld Teil eines Austauschs von Respekt und Segenswünschen.
Selbst vertraute Tierdekorationen können sich unterscheiden. Im vietnamesischen Tierkreis steht eine Katze an der Position, die in der chinesischen Folge der Hase einnimmt.
Wie die Festzeit verläuft
Tets erste Tage konzentrieren sich auf familiäre Grüße und Besuche und weiten sich dann auf weitere Verwandte, Freunde und Lehrer aus. Manche Haushalte wählen die erste Person aus, die nach Jahresbeginn zu Besuch kommt, ein Brauch namens xông đất. Eingeladen wird jemand, der als glücklich oder zum Haushalt passend gilt, in der Hoffnung, dass dieser erste Besuch einen günstigen Jahresverlauf mitbestimmt. So erhält die erste Begegnung eine Bedeutung über einen gewöhnlichen Besuch hinaus.
Auch das chinesische Neujahr führt vom Wiedersehen zu Hause zu einer größeren Runde von Besuchen und Feiern. Seine traditionelle Festzeit mündet in das Laternenfest am fünfzehnten Tag des ersten Monats; zu dessen vertrauten Bräuchen gehören das Betrachten von Laternen und runde Reismehlklößchen. Tets wichtigste Familienbesuche konzentrieren sich auf die ersten Tage innerhalb einer längeren Vorbereitungs- und Festzeit. Sein Ablauf ist kein identisches Fünfzehntageprogramm: Die Haushalte gehen vom Begrüßen des Jahres und dem Ehren der Ahnen dazu über, die Menschen zu empfangen und zu besuchen, mit denen sie das Jahr teilen.