Der Mondhase in verschiedenen Traditionen
Das Bild im Mond
Die dunklen Flecken des Mondes haben in mehreren asiatischen Traditionen das Bild eines Kaninchens oder Hasen angeregt. In Darstellungen erscheint das Tier häufig neben Mörser und Stößel; so wird die am Himmel erkannte Gestalt zu einer vertrauten Tätigkeit auf der Erde. Der Umriss verbindet die Geschichten, doch die Arbeit und die Begleiter des Hasen unterscheiden sich.
In der chinesischen Tradition wird die Gestalt gewöhnlich Jadehase, Yutu (玉兔), genannt. Sie gehört neben der Göttin Chang'e zur Vorstellungswelt des Mondes. Auch japanische und koreanische Traditionen zeigen einen Hasen bei der Arbeit auf dem Mond.
Unterschiedliche Geschichten
In einer vertrauten chinesischen Fassung zerstößt der Hase Zutaten für ein Unsterblichkeitselixier. Mörser und Stößel sind Werkzeuge zur Herstellung von Medizin, und die Aufgabe des Hasen passt zum Mondreich unsterblicher Wesen. Er kann neben Chang'e oder allein erscheinen.
In Japan stampft der Hase gewöhnlich Reis, um Mochi, einen Reiskuchen, herzustellen. Dieselbe Bewegung ähnelt nun der Zubereitung von Nahrung. Auch koreanische Mondhasengeschichten beschreiben das Herstellen von Reiskuchen, obwohl dort ebenfalls medizinische Fassungen vorkommen.
| Tradition | Eine vertraute Fassung | Bedeutung der Tätigkeit |
|---|---|---|
| Chinesische Mondgeschichten | Der Jadehase bereitet ein Elixier zu, oft in der Nähe von Chang'e | Unsterblichkeit und die göttlichen Bewohner des Mondes |
| Japanische Mondhasendarstellungen | Der Hase stampft Reis für Mochi | Eine häusliche Tätigkeit der Nahrungszubereitung, die auf den Mond versetzt wird |
| Koreanische Mondhasendarstellungen | Der Hase stellt Reiskuchen her; andere Fassungen beschreiben Medizin | Nahrungszubereitung oder ein Wunsch nach Gesundheit und langem Leben |
Eine buddhistische Geschichte erklärt das Tier im Mond durch Großzügigkeit statt durch das Stampfen. Im Sasa Jataka, einer Erzählung aus einem früheren Leben des Buddha, ist der künftige Buddha ein Hase, der entschlossen ist, jeden zu speisen, der um Hilfe bittet. Da er einem vorbeikommenden Bettler keine geeignete Nahrung geben kann, bietet er seinen eigenen Körper an. Der Besucher ist der verkleidete Gott Sakka. Er prüft den Hasen mit einem Feuer, das ihn nicht verbrennt, und setzt anschließend sein Bild auf den Mond, damit die Gabe in Erinnerung bleibt. In dieser Erzählung bleibt der Hase selbst im Wald: Am Himmel erscheint das Bild.
Verwendung bei Festen
Der Hase erscheint in Mittherbstdekorationen, Laternen und Mondkuchenmotiven. Ein runder Mond, ein Mörser oder eine begleitende Chang'e machen den Mond als Schauplatz erkennbar. Beim japanischen tsukimi, der Mondbetrachtung, bringen hasenförmige und mit Hasen geschmückte Süßigkeiten das Bild auf den jahreszeitlichen Tisch.
Das Motiv kann an den Mond erinnern, ohne eine vollständige Erzählung darzustellen. Ein Hase mit einem Stößel kann eine bestimmte Tätigkeit nahelegen, während eine Inschrift oder ein Begleiter der Szene eine genauere Bedeutung gibt. Seine Verwendung am Mittherbstfest kehrt jedes Jahr wieder und ist vom Platz des Hasen im Tierkreiszyklus mit zwölf Tieren unabhängig.